„Stadtplanung bedeutet für mich, Räume zu schaffen, in denen Menschen sich wohlfühlen und mit denen sie sich identifizieren können“

Nur wenige Menschen begleiten die Parkstadt Süd länger als Anke Thurow. Seit rund 15 Jahren ist die Wahlkölnerin einer der prägenden Kräfte hinter dem städtebaulichen Großvorhaben. Als Gesamtprojekt-leiterin und Stabsstelle der eigenbetriebsähnlichen Einrichtung Parkstadt Süd hält sie heute die Fäden zusammen und sorgt dafür, dass aus einer Vision Schritt für Schritt ein lebendiges Stadtquartier ent-steht. Für die Reihe „Wir bauen an einer besseren Stadt – die Menschen hinter der Parkstadt Süd“ hat die Projektkommunikation sie zum Gespräch getroffen.

Wie funktionieren Städte? Wie prägen sie unseren Alltag? Und wie müssen sie gestaltet werden, damit Menschen sich dort wirklich zuhause fühlen? Diese Fragen haben Anke Thurow schon immer interessiert. Der naheliegende Schritt: Ein Studium in Architektur, Städtebau und Regionalplanung. Hier entdeckte Thurow ihre Begeisterung für das breitgefächerte Aufgabenfeld der Stadtplanung, die sie seither nicht mehr losgelassen hat und 1988] zur Stadt Köln führte. 

Bereits 2008 übernahm Thurow die Koordination der Planungen für die südliche Innenstadterweiterung auf dem Gelände des ehemaligen Großmarktes. Mit dem Wettbewerbsverfahren 2015 begann dann die Planung der Parkstadt Süd. Heute ist Anke Thurow Gesamtprojektleiterin und hat seit Januar 2026 zudem die Stabstelle der eigenbetriebsähnlichen Einrichtung Parkstadt Süd inne.

Im Gespräch gibt sie Einblicke hinter die Kulissen des Stadtentwicklungsprojekts, erklärt, was ein Quartier lebenswert macht und berichtet, wie diese Überlegungen die Planungen der Parkstadt Süd beeinflusst haben. 

Frau Thurow, Sie begleiten die Parkstadt Süd seit 15 Jahren. Was würden Ihre Freunde und Familie wohl sagen, womit Sie sich den ganzen Tag beschäftigen?

Anke Thurow: Wahrscheinlich würden sie sagen, dass ich mich den ganzen Tag damit beschäftige, wie Menschen künftig in der Stadt leben werden – und dafür nichts unversucht lasse, alle Projektbeteiligten immer wieder von dem gemeinsamen Ziel zu überzeugen.  

Das beschreibt es im Grunde ganz treffend, denn einen typischen Arbeitstag gibt es bei mir eigentlich nicht. Mein Alltag besteht aus vielen Abstimmungen, Gesprächen und Entscheidungen. Und nie läuft ein Tag so, wie ich ihn geplant habe, weil immer wieder neue unverhoffte Herausforderungen dazu kommen. Gerade diese Abwechslung macht die Arbeit für mich spannend.

Welche Aspekte Ihrer Arbeit bleiben für die Öffentlichkeit oft unsichtbar, sind aber entscheidend für den Fortschritt des Projekts?

Anke Thurow: Viel Arbeit passiert im Hintergrund. Es geht oft darum, unterschiedliche Interessen zusammenzubringen und Lösungen zu entwickeln, die langfristig funktionieren. Erforderlich sind umfangreiche Abstimmungen zwischen den beteiligten Fachämtern und die Beantwortung von Nachfragen, Anregungen und Prüfaufträgen aus den politischen Fachausschüssen. Das sieht man von außen selten, ist aber entscheidend für einen erfolgreichen Planungsfortschritt.

Gab es in der bisherigen Projektarbeit einen Moment oder Meilenstein, der Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Anke Thurow: In einem solch großen Projekt und in Anbetracht der langen Zeit, in der ich es begleite, gab es mehr als einen. Die Dimension des Plangebietes hat mich ebenso beeindruckt wie mein erster Gang als Planerin durch die faszinierende denkmalgeschützte Großmarkthalle. Bei der Eröffnung des Pionierparks war ich überwältigt von der Größe und Weite, die der zukünftige Grüngürtel haben wird. Als mit SechtM der erste Baustein der Parkstadt Süd fertiggestellt wurde, konnte ich von der Dachterrasse des Hochpunktes den überwältigenden Blick über das Gebiet der Parkstadt Süd genießen. Seit Kurzem ist der Großmarkt geschlossen und das Bild, das sich da bietet, ist Ende und Anfang zugleich. Besonders sind immer die Momente, in denen man sieht, dass aus Planungen konkrete Entwicklungen werden. Das macht die Arbeit greifbar.

Mit der Parkstadt Süd entstehen künftig drei neue, nutzungsgemischte Quartiere. Was braucht es, damit ein Quartier von Anfang an zu einer Gemeinschaft zusammenwächst? 

Anke Thurow: Ein Quartier braucht Orte, an denen Menschen sich begegnen können. Das können neben Orten im Freien auch Bürgerzentren oder Gemeinschaftsräume sein. Außerdem eine gute Mischung aus Wohnen, Arbeiten und Freizeit. 

Genauso wichtig ist die intensive Einbindung der Stadtgesellschaft. In der Parkstadt Süd wurde das von Anfang an großgeschrieben: Im Rahmen des kooperativen Verfahrens 2015 gab es fast 20 öffentliche Veranstaltungen unterschiedlicher Formate, bei denen die Kölnerinnen und Kölner ihre Ideen und Vorschläge in die Planungen einbringen konnten. Seither fand eine Vielzahl weiterer Beteiligungsveranstaltungen statt, wie zum Beispiel die Themenabende. Nur so entsteht ein Quartier, in dem sich die Menschen wohl fühlen und mit dem sie sich identifizieren.

Und wie stellen Sie sicher, dass die Parkstadt Süd für verschiedene Bevölkerungsgruppen – Jung und Alt, unterschiedliche Einkommensgruppen – attraktiv und zugänglich ist?

Anke Thurow: Unsere Leitlinien sind überschrieben mit „Parkstadt Süd – mehr Vielfalt, mehr Grün, mehr Köln“. Wir achten bewusst darauf, verschiedene Wohnformen und Angebote zu integrieren. Ziel ist ein Quartier, das für unterschiedliche Lebenssituationen passt.

Zum Abschluss: Was könnte die Parkstadt Süd als Modellprojekt für andere Städte in Deutschland bedeuten?

Anke Thurow: Sie kann zeigen, wie nachhaltige und klimawandelangepasste Stadtentwicklung auch in größerem Maßstab gelingen kann und wie Mobilität, Klimawandelanpassung und gemeinschaftliche Wohnformen innovativ gedacht werden.

Und was wünschen Sie sich, dass die Menschen, die dort einmal leben oder arbeiten, über diesen Stadt-teil sagen werden?

Anke Thurow: „Ich bin stolz und glücklich, hier zu leben.“