„Wir haben hier die Chance, die Stadt der Zukunft zu bauen – und das nicht irgendwo, sondern direkt angrenzend an das Zentrum Kölns“
Ein neues Veedel entsteht nicht von allein. Damit aus einer Idee Schritt für Schritt Realität wird, braucht es viele Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven und Kompetenzen. Einer dieser Menschen ist Nicolai Sieber. Er ist Projektleiter im Stadtplanungsamt und seit drei Jahren Teil des Teams, das eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Deutschlands voranbringt, die Parkstadt Süd. Für die neue Reihe „Wir bauen an einer besseren Stadt – die Menschen hinter der Parkstadt Süd“ hat ihn die Projektkommunikation interviewt.
Schon früh war für Nicolai Sieber klar, dass er Städte aktiv mitgestalten möchte. Die Aussicht darauf, einen positiven Beitrag zum Alltag vieler Menschen zu leisten, hat ihn zur Stadtplanung gebracht – und schließlich auch zur Parkstadt Süd. Seit 3 Jahren ist er Projektleiter im Stadtplanungsamt und verantwortet dort alles rund um Planung und Städtebau. Vor seinem Wechsel zur Stadt Köln arbeitete er bei einem privatwirtschaftlichen Planungsbüro.
Im Gespräch erzählt er, wie sein Arbeitsalltag aussieht, welche Herausforderungen ein Projekt dieser Größenordnung mit sich bringt, welche Rolle die Bürgerinnen und Bürger in der Planung spielen und welche Vision er für die Parkstadt Süd hat.
Herr Sieber, wie sieht ein typischer Arbeitsalltag für Sie im Zusammenhang mit der Parkstadt Süd aus?
Nicolai Sieber: Ein wichtiger Aspekt ist die Koordination und Synchronisation aller an der Planung und Umsetzung Beteiligter. An der Entwicklung der Parkstadt Süd arbeiten viele verschiedene Fachdisziplinen. Unterschiedlichste Themen wie z. B. Verkehr, Grünflächen, Wohnungsbau, Schulbau, Ökologie, Nachhaltigkeit, Klimawandelanpassung und soziale Gerechtigkeit müssen in Einklang gebracht werden.
Im Grunde bedeutet das, die vielen Zahnräder im Blick zu behalten, die es braucht, um die Parkstadt Süd zu entwickeln. Manchmal muss ich sie ölen, manchmal bremsen oder anschieben. Und wenn sich das Projekt bewegt, muss ich darauf achten, dass Richtung und Geschwindigkeit stimmen.
Gab es in der bisherigen Projektarbeit einen Moment oder Meilenstein, der Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
Nicolai Sieber: Da gab es einige. Zum Beispiel, als ich zum ersten Mal die Großmarkthalle betreten habe oder die positive und inspirierende Atmosphäre bei unseren Veranstaltungen zur Öffentlichkeitsbeteiligung. Aktuell ist es besonders das Gefühl, über das Entwicklungsgebiet zu laufen, die allerletzten Reste der Großmarktnutzung zu sehen und zu wissen, dass sich hier bald sehr vieles verändern wird.
Wie sieht es mit Herausforderungen aus – Gab es Momente, in denen Sie dachten: 'Das ist eigentlich unmöglich' – und wie haben Sie diese gemeistert?
Nicolai Sieber: Ganz entscheidend war die Frage, wie wir den Spagat schaffen, dem Wohnungsmangel zu begegnen und trotzdem qualitätsvollen Städtebau in verträglicher Dichte zu realisieren. Wir brauchen in Köln dringend bezahlbare Wohnungen in großer Menge. Gleichzeitig träumen die meisten Menschen vom eigenen Häuschen im Grünen. Beides gleichzeitig geht im Herzen Kölns jedoch nicht. Wir waren daher sehr froh, als sich im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung herausgestellt hat, dass die geplante Bauweise der Parkstadt Süd durchaus Zuspruch bei vielen Kölnerinnen und Kölnern findet. Besonders der 2,5 Kilometer lange neue Abschnitt des Inneren Grüngürtels trägt dazu bei, zukünftig den Ausgleich zwischen urbanem Wohnen und Freiraum und Erholung zu schaffen.
Sie haben die Perspektiven der Bürgerinnen und Bürger angesprochen – welche Rolle spielen sie in der Planung? Gab es Rückmeldungen, die Ihre Perspektive verändert haben?
Nicolai Sieber: Die Rückmeldungen der Bürgerinnen und Bürger sind sehr wichtig für unsere Planung und fließen kontinuierlich ein. Gerade die Schilderungen der alltäglichen Herausforderungen des Lebens in einer Großstadt waren sehr wertvoll. Zum Beispiel die Frage, wie es gelingen kann, einen umfangreichen Wocheneinkauf in die eigene Wohnung zu schaffen, wenn es keinen Parkplatz direkt vor der Tür gibt. Die Parkstadt Süd wird als autoarmes Quartier entwickelt. Dennoch benötigen wir alle, insbesondere Familien, Seniorinnen und Senioren sowie mobilitätseingeschränkte Personen gute und praktikable Lösungen, um ebensolche Transporte im Alltag unkompliziert bewältigen zu können. Hier will die Parkstadt zeigen, dass dies mit smarten Konzepten auch gut möglich ist.
Wenn Sie auf die nächsten Monate blicken: Welche Themen stehen aktuell bei Ihnen im Mittelpunkt und wie geht es weiter?
Nicolai Sieber: Nach der Beendigung der Großmarktnutzung auf dem Gelände haben wir nun freie Bahn für die bauvorbereitenden Maßnahmen. Zunächst wird uns der Rückbau der nicht denkmalgeschützten Großmarktgebäude beschäftigen. Danach werden wir uns dem widmen, was im Boden steckt: Die über 80 Jahre alten Kanäle werden erneuert.
Zum Abschluss: Wenn Sie an die zukünftige Parkstadt Süd denken: Worauf freuen Sie sich am meisten?
Nicolai Sieber: Die Parkstadt Süd besteht aus dem baulichen Teil und aus der Vollendung des Inneren Grüngürtels. Dieser 2,5 km neue Abschnitt des Inneren Grüngürtels ist einzigartig, in keiner anderen deutschen Großstadt gibt es die Chance, unmittelbar angrenzend an die Innenstadt einen so großen Park neu zu bauen. Am meisten freue ich mich daher auf die zukünftige Verknüpfung der Parkstadt zu diesem Freiraum; davon wird nicht nur die Parkstadt, sondern der gesamte Kölner Süden profitieren.
Und was wünschen Sie sich, dass die Menschen, die dort einmal leben oder arbeiten, über diesen Stadtteil sagen werden?
Nicolai Sieber: „Wir waren zu Beginn skeptisch, ob das alltägliche Leben in einem autoarmen Stadtteil überhaupt funktioniert. Doch schnell haben wir gemerkt, es funktioniert und tut uns auch sehr gut. Nun können wir uns nicht mehr vorstellen, wie es sich anfühlen würde, in einer zugeparkten Straße zu leben.“
Der Wunsch zeigt, worum es bei der Parkstadt Süd geht: um mehr Vielfalt, mehr Grün und, wie Nicolai Sieber selbst sagt, um „die Chance, die Stadt der Zukunft zu bauen – und das nicht irgendwo, sondern direkt angrenzend an das Zentrum Kölns.“
